Widmers unterwegs

Mittwoch, 25. September 2024

Downtown Seattle

Heute früh erwachen wir frisch erholt in unserem Gefängnisbett :) Unsere Unterkunft für Seattle ist ein Doppelzimmer in einem Hostel. Wir haben ein Kajütenbett gebucht, dessen Metallbettrahmen uns irgendwie an eine Gefängniszelle erinnert…

Wir duschen gemütlich in der Gefängnisdusche (Simone kalt, weil das warme Wasser nicht mitmacht) und spazieren dann in die Innenstadt von Seattle. Simone möchte wieder mal richtigen Kaffee, darum landen wir im “Zeitgeist”, einer Kaffeebar, die wirklich super Kaffee braut zu fairen Preisen (etwa wie in der Schweiz, der Cappucchino kostet 3.80 Dollar). Allerdings wird auch hier wie überall alles in Wegwerf-Geschirr serviert. Und Butter- und Schoggigipfeli kosten je fast sechs Dollar. Ganz schön teuer, ein europäisches Frühstück hier!

Kosten: 19 USD

Zwei Blocks von unserem Café entfernt starten die Seattle Underground Touren und Simone möchte UNBEDINGT so eine Führung machen. Also kaufen wir ein sündhaft teures Ticket und schon gehts los; die nächste Stunde fliegt nur so vorbei. Jim, ein wahrscheinlich schon pensionierter begnadeter Schauspieler mit grauem Vollbart und Tächlikappe nimmt uns mit in die Keller von Seattle. Wobei das eigentlich gar keine Keller sind, sondern die alten Trottoirs. Erst um 1890, nach dem grossen Feuer von Seattle, wurden die Strassen um ein Stockwerk angehoben, um sie vor dem Meer zu schützen. Seither gibt es darunter eine Art Geisterstadt, die heute hauptsächlich als Kellergewölbe genutzt wird.

Jim erzählt uns mit viel Humor, Spannung und Hingabe die historischen Zusammenhänge von verschiedenen Stämmen der Ureinwohner, die an dieser Küste lebten, und dem Bau der Metropole Seattle. Alle Zuhörer lachen oft herzhaft über seine Witze und wir können von dieser Attraktion sagen, dass sich jeder Penny lohnt, es war spitze. Wir diskutieren auf dem weiteren Weg noch lange über die eben gehörten Anekdoten.

Auch ein Stockwerk höher finden sich im Quartier Pioneer Square immer noch Spuren aus alter Zeit. Der Smith Tower war lange das Höchste Gebäude an der US-Westküste.

Da wir schon angefangen haben, uns für Seattles Geschichte zu interessieren, schauen wir uns gleich noch das Klondike Goldrausch-Museum an (es ist gratis und es wird gerade ein Film gezeigt, wir können uns also berieseln lassen). Es berichtet von den ca. 100'000 Menschen, die von 1896 bis 1899 an den Klondike River pilgerten, um dort Gold zu suchen. Klondike liegt zwar zwischen Kanada und Alaska, aber Seattle war der nächste grosse Hafen und hier kamen Menschen aus Australien und Europa an, um dann mit kleineren Schiffen weiterzureisen. Diese Reise in die Wildnis war sehr beschwerlich und dauerte bis zu einem Jahr. Als die Goldgräber dann endlich am Klondike ankamen, war das meiste Gold schon von den Einheimischen eingesammelt worden.

Weiter geht es durch Seattle Downtown, wo ein leerstehendes Bürogebäude neben dem anderen steht. Das ganze wirkt etwas gespentisch und hat natürlich weniger Charme als Vancouver mit all seinen vielen Wohn-Hochhäusern. Unterwegs gibt es beim Teriyaki Grill ein Mittagessen und wir schauen uns noch im Target um, ein Warenhaus auf drei Stockwerken.

In Meeresnähe kommen wir zum Pike Place Public Market. Hier gibt es ganz viele Leuchtreklame-Schilder, was dem Ort einen gewissen Retro-Look verleiht, und an den Fischverkaufsständen werfen sich die Verkäufer zur Belustigung der Touristen grosse Fische im hohen Bogen gegenseitig zu. Das ganze sieht sehr glitschig aus und wir schauen nicht lange zu, aus Angst, einen Fisch an den Kopf zu bekommen.

Gleich daneben befindet sich noch die älteste Starbucks-Filiale, vor der eine lange Schlange Touristen darauf wartet, vom Türsteher eingelassen zu werden.

An Wolkenkratzern und vielen farbigen Graffiti-Wänden vorbei…

…spazieren wir zur Space Needle, dem Wahrzeichen von Seattle. Es wurde für eine Expo erbaut und mit einem Lift kann man für satte 50 Dollar pro Person aufs Dach hochfahren (machen wir natürlich nicht, dann sieht man ja das Wahrzeichen nicht mehr, wenn man auf dessen Dach steht!).

Marco weiss, wo es in der Stadt einen guten Ausblick auf die Wolkenkratzer mit Space Needle gibt, aber dafür müssen wir noch etwas Weg unter die Füsse nehmen. Bald beginnt es richtig zu regnen und wir gönnen uns eine Stunde Pause bei einem feinen warmen Choclate Chip Cookie (wir teilen uns einen, die sind hier tellergross!) und einem Ingwertee. Dabei schreiben wir unsere Einkaufsliste für die Camper-Erstbestückung, denn morgen geht das Camping-Abenteuer los! Als es endlich aufhört zu regnen, steigen wir noch die letzten Meter bis zum Kerry Park auf Queen Ann Hill hinauf und werden mit einer schönen Aussicht belohnt.

Marco will eigentlich noch auf den Sonnenuntergang warten für ein schönes Foto, aber da ist heute wirklich nicht viel zu wollen. Wir nehmen den Weg dem Wasser entlang zurück in die Innenstadt und werden noch einmal richtig verregnet.

Seattle Aquarium

Nach einem Stück Pizza kommen wir endlich müde im Hostel an und können unsere nassen Socken ausziehen und unter die (diesmal warme) Dusche.