Fähre fahren
Heute früh drehen wir uns nochmals unter unseren warmen Decken, denn vor dem Fenster wartet nur Nieselregen. Eigentlich hatten wir für heute eine coole Besichtigung der Boeing-Werke geplant und gebucht. Diese wurde uns aber leider vor ein paar Tagen storniert, die Werke stehen wegen eines Streikes still. So haben wir für heute keine konkreten Pläne und geniessen es, in den Tag hinein zu leben.
Schliesslich schalten wir Musik ein und kämpfen uns aus dem weichen Bett. Bald schon ist die Morgensteifigkeit vergessen und wir haben wahnsinnig Freude, wie gut alles funtioniert. Eine heisse Dusche am Morgen, das Brot frisch aus dem Toaster und warme Gipfeli zum Frühstück! Gut, das war nicht ganz so einfach, denn unser Ofen ist eigentlich eine Mikrowelle. Nach ein paar Versuchen haben wir herausgefunden, dass die Grillfunktion am nächsten ans Backen herankommt :) Das alles dauert aber seine Zeit, und bis wir wieder reisefertig sind (man muss erst innen alles abwaschen und wieder flugsicher verräumen, Wasser ablassen, Wasser füllen, den Abfall entsorgen, den Camper kurz rausbeselen, das Slide-Out wieder reinfahren, und nicht vergessen alle unsere Aussenstauräume wieder gut tagsichern) wird es ca. 11:30 Uhr. Nicht so schlimm, da werden wir bestimmt noch schneller!
Gestern Abend haben wir schon eine neue Einkaufsliste geschrieben und wir gehen nochmal kurz einkaufen. Unter anderem im Home Depot ein Alan-Key-Set (Imbus-Schlüssel), um unseren linken Seitenspiegel endlich in eine fahrtaugliche Position zu bringen. Marco ist danach superhappy :) Simone gönnt sich einen Starbucks-To-Go Kaffee, weil man das hier in Amerika so macht und den Kaffee dann bei sich im Auto in den Becherhalter stellt.
Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und wir fahren zum Fährhafen von Edmonds, um dort in einer 20-minütigen Schifffahrt auf die Olympic-Halbinsel überzusetzen. Wir denken, wir sind schlau, und sparen uns so langes Fahren um all die Meeresarme herum. Es stellt sich aber heraus, dass wir nicht die einzigen mit dieser Idee sind an einem Freitagnachmittag, und so stehen wir laange in der Schlange, bis wir auf die Fähre auffahren können. Das Schlangestehen ist aber im Camper mega feudal. Man kann sich hinten auf dem Bett kurz hinlegen, den Kühlschrank aufmachen und Snacks hervornehmen oder sich einfach im Gang die Beine vertreten. Die anderen müssen nach draussen auf die Strasse dafür! Irgendwann beginnen wir noch mit einem Hörbuch und freuen uns daran, wie viele Möglichkeiten wir haben, das Warten zu überbrücken :)
Wir snacken ein Mittagessen und dann gehts auch schon los auf die Fähre. Niemand zuckt mit der Wimper, als wir mit unserem riesigen Wohnmobil auftauchen, erst ab 30 Fuss Länge gilt der Lastwagentarif. Wir müssen nur den Propan-Tank abhängen (zum Glück hat es da eine aufmerksame Kassiererin, wir haben das zwar gelesen, aber doch schon lange wieder vergessen) und schon fahren wir auf das Schiff.
Mit dem Schiff auf dem Schiff
Die Fähre ist so gross, wir sehen sie eigentich gar nie richtig. Die Überfahrt dauert nur 20 Minuten, kaum genug Zeit um auf das Deck hoch zu speeden und ein paar Fotos zu machen, da müssen wir schon wieder einsteigen.
Wir überstehen auch die Abfahrt ohne Spiegelverlust oder Kratzer am Boden des Campers und fahren dann gemütlich auf langen Strassen durch Wälder und ab und zu mit Sicht aufs Meer auf dieser grossen Halbinsel umher.
In Port Angeles machen wir einen Halt, nur um festzustellen, dass wir in der Luftlinie erst etwa 100km von Vancouver entfernt sind. Und das in über einer Woche! Na ja, unser Reisetempo muss wohl noch etwas zunehmen, damit wir dann rechtzeitig für den Flieger in Los Angeles ankommen!
Im Hintergrund ist Vancouver Island zu sehen
Es ist schon Abend und wir suchen uns einen Platz für die Nacht. Wir finden einen Campingplatz, der etwa 30 Dollar günstiger ist als der letzte, aber wir haben schon noch Luft nach oben (unten?), was die Kosten pro Nacht angeht. Dafür haben wir heute wieder Strom und Frischwasser, und aus dem Führerstand sehen wir direkt aufs Meer, während nebenann die wilden Hirsche weiden.
Marco macht uns zum Kochen den Radio an. Aber irgendwie kommt der Ton neuerdings aus einem mysteriösen Lautsprecher oberhalb der Küchenkonsole. Nachdem wir die längste Zeit untersuchen, woher die Musik jetzt kommt, klopft es am Camper. Die Nachbarin zeigt bedeutsam auf unsere Markise, von der der Radiosender ziemlich ohrenbetäubend runterscheppert und den ganzen Campingplatz beschallt… Ups! Zusammen müssen wir laut darüber lachen, wie wir unseren unsinnigen Aussenlautsprecher entdeckt haben…
Wir kochen uns Fajitas, was sich viiel gesünder anfühlt als welche im Fastfood-Restaurant zu kaufen, obwohl es vermutlich auf dasselbe herauskommt :) Dann sehen wir uns noch eine Weile den Sternenhimmel über dem Meer an und danach gehts ab ins Bett, damit wir morgen etwas früher starten können als heute.