Südwärts
Wir erwachen mitten im Wald. Die Sonne scheint wunderschön durch die Bäume hindurch und wir haben an diesem Sonntag wunderbares Wetter. Wir testen aus, wie viel unsere Wassertankts hergeben, Simone wäscht sich die Haare, obwohl der Frischwassertank nur noch 1/3 voll anzeigt. Und siehe da, es reicht anschliessend sogar noch zum Abwaschen!
Vor der Weiterfahrt fahren wir noch kurz zur Dumping-Station auf diesem Zeltplatz. Es handelt sich dabei um eine Dreckwasserablass- und Frischwasserauffüllstation. Lustigerweise kommt Marco da, obwohl er ja von sich aus selten Leute anspricht oder Smalltalk führt, mit allen ins Gespräch, während Simone den Camper rausbeselt und fahrsicher macht. Marco tauscht sich während dem Wasserauffüllen über gute Campingplätze, scenic routes und Ausbaustandards von Campern mit allen möglichen Amerikanern vor und hinter uns in der Schlange aus (Das Frischwasser füllt ultra langsam, da hat man Zeit zum Plaudern).
Gut gelaunt fahren wir los. Die Fahrt geht zunächst bis nach Aberdeen, wo wir unser Vehikel zum ersten Mal tanken müssen. 130 Liter Benzin später fahren wir auf einen grossen Walmart-Parkplatz (von sonntags geschlossen hat hier noch nie jemand etwas gehört). Wir brauchen etwas zu Essen und Marco erinnert uns daran, dass wir doch die verschiedenen Fast-Food-Ketten einmal ausprobieren wollten. Also entscheiden wir uns für KFC und panierte Pouletstreifen mit Pommes. Es ist gut, aber irgendwie hat Simone doch langsam die Nase voll vom Fast-Food… Es ist immer in etwa das Gleiche!
Wir suchen uns im Dollar-Store (mittlerweile kostet alles 1.25 USD plus Tax, was aber immer noch sehr billig ist) ein paar Plastikkistchen, um in den Schränken das herumfliegende Zeugs besser sortieren zu können. Dann geht es weiter. Bei schönem Wetter und leeren Landstrassen getraut sich sogar Simone mal noch hinters Steuer und findet bald Gefallen daran, mit dem riesigen Camper in die Kurven zu liegen. Es ist aber noch streng, das Steuerrad braucht recht viel Kraft in den Armen!
Wir fahren nach Long Beach, eine Tafel gibt an, dass es sich um den weltweit längsten Strand handeln soll. Das können wir nicht bezeugen, wir sind ihn nicht abspaziert, aber er ist auf jeden Fall nicht nur ca. 40km lang, sondern auch sehr breit. Am Sonntag fährt man hier anscheinend mit seinem PickUp über den Sand direkt an die Wasserfront. Na ja, uns passt es altmodisch zu Fuss auch ganz gut und wir machen einen ausgedehnten Strandspaziergang.
Die Düne erinnert uns fast ein wenig an die Nordsee.
Anschliessend fahren wir in der Abendsonne noch etwas weiter und probieren heute Abend mal das Boondocking aus: Dabei stellt man sich mit dem Camper einfach über Nacht auf einen grossen Parkplatz, auf dem das Overnight-Parken nicht verboten ist, und bleibt so zum Schlafen parkiert. Der Witz daran ist, das es gratis ist :) Bei unserem Parkplatz steht, man soll bitte nicht länger als acht Stunden stehen bleiben. Das schaffen wir nicht ganz, wir bleiben ein bisschen länger. Aber laut Internetbericht von anderen Campern war das hier nie ein Problem. Wir wagen das kleine Abenteuer und können dann morgen berichten, ob wir durchschlafen konnten oder ob uns jemand geweckt hat :)
Unser Parkplatz liegt gleich bei der Astoria-Megler-Bridge. Diese führt uns dann morgen vom Bundesstaat Washington nach Oregon, wir kommen also langsam in den Süden. Und tatsächlich blies der Wind am Strand heute schon nicht mehr ganz so harsch, es wird langsam wärmer!