Welcome to Oregon
Experiment Boondocking geglückt; wir erwachen erst mit dem Wecker wieder (na ja, fast. Simone ist morgens um drei schon das erste mal wach, genau als die acht Stunden um sind. Innere Uhr?). Wir stellen etwas erleichtert fest, dass wir bei weitem nicht die einzigen sind, die auf diesem Parkplatz geschlafen haben; wir hatten es aber wohl am komfortabelsten. Morgens eine heisse Dusche, rasch den Generator anlassen um Brot zu toasten, heisser Tee und Früchte zum Frühstück, nachdem wir auf einer weichen Matratze geschlafen haben; rundherum kriechen die Leute aus ihren Autos oder Vans.
Los geht es über die eindrückliche Astoria-Brücke hinein in den Bundesstaat Oregon.
Wir fahren in den Ecola State Park bei Cannon Beach. Als wir um 10 Uhr ankommen, können wir den Parkplatz noch auswählen. Wir schnallen Rucksack und Wanderschuhe an und machen uns auf den Weg auf einem wunderschönen Trail zum Indian Beach. Hier hat es viele Surfer und ein paar Hunde, einer sieht aus wie die Bora meiner Grosseltern und ist auch etwa gleich übermütig.
Beim Camper zurück essen wir auf einer Picknickbank unsere Sandwiches, die wir heute morgen eigenhändig mit getoastetem Pumpernickel-Sandwichbrot gestrichen haben (Sorry, Brot gibts hier echt kein gutes. Das war ein Versuch, irgendwas mit Körnern drin zu kaufen. Und es war nicht mal schlecht, viel weniger trocken als es vielleich klingt).
Und dann verabschieden wir uns vorerst vom Meer, ab jetzt geht unsere Reise landeinwärts, als erstes Richtung Portland. Aber es ist so ein wunderschöner Tag, es wäre schade, diesen nur mit Autofahren zu verbringen. Also nehmen wir bald den Abzweiger Richtung Saddle Mountain. Es geht sieben Meilen auf einer engen geteerten Strasse den Hügel hinauf. An einer Stelle kratzen wir wieder einmal mit dem Camper-Füdli am Boden, wie wir es bei diversen Parkplatzausfahrten schon gemacht haben. Das Gefährt ist einfach ein Stück zu lang, und so haben wir die “Sollkratzstelle” schon ein paar Mal ausprobiert. Dem Camper passiert weiter nichts, aber das Geräusch geht einem durch Mark und Bein. Simone wird es wind und weh, weil wir auf der gleichen Strasse auch wieder nach unten müssen (auf dem Rückweg wird sich herausstellen, dass es im Schneckentempo und mit Slalomfahren ganz ohne Kratzen geht).
Auf dem Parkplatz angekommen schnüren wir abermals die Wanderschuhe (es ist schon praktisch, wenn man immer alles dabei hat, dann kann man einfach zwischendrin wieder in die Turnschuhe schlüpfen!). Wir sehen unseren Gupf von hier aus, bis auf den Saddle Mountain erwarten uns ca. 3.5 km Wanderweg und 500 Höhenmeter.
Ob es hier in Oregon Bären hat? Die Amerikaner sagen ja, man müsse keine Angst haben vor Bären, die hören einem von Weitem, wenn man schwatzend daher kommt. Nur, wenn wir wandern, ist es meistens eher streng und Simone geht bergauf die Puste aus, da können wir nicht noch lange Diskussionen führen! Darum haben wir bei unserem Grosseinkauf im Walmart in der Weihnachtsabteilung kleine goldene Glöckchen gekauft. Diese hängen nun an unserem Rucksack, damit uns die Bären von Weitem hören können. So fühlt sich Simone seehr sicher :)
Beim Aufwärtswandern sind wir lange etwa im gleichen Tempo unterwegs wie ein amerikanisches Pärchen in unserem Alter. Die junge Dame ist ziemlich fit, hält sie doch unser Tempo, aber redet PAUSENLOS! Sie schüttet ihr Herz aus und erzählt ihm ihre ganzen tiefen Seelenzerwürfnisse, und wir müssen das die ganze Zeit mitanhören, denn sie spricht sehr laut. Vielleicht wegen der Bären? Na ja, irgendwann zweigen die zwei zum Glück auf den zweithöchsten Gupf ab, und wir haben auf dem Gipfel unsere Ruhe. (Werden wir wohl langsam alt?)
Wir haben 360° Rundumblick auf… Wald? Uns wir nun bewusst, wieso es auf den Autonummern aus Oregon eine Tanne hat; es hat hier wirklich ganz furchtbar viele Bäume! Hinter all dem Wald sind die nahen Vulkane, das Meer und der Fluss Columbia zu sehen, den wir heute Morgen überquert haben.
Wir geniessen ein feines Basler Läckerli (Danke nach Reinach!) und machen uns dann wieder an den Abstieg. Zum Teil ist es recht abschüssig, aber sie haben hier eine tolle Technik; kilometerweise Maschendrahtzaun wird einfach auf den Geröllboden getackert, so hält das lose Gestein und man hat Grip. Echt praktisch!
Um halb siehen sind wir zurück beim Camper und fahren gaaaaaanz voooorsichtig wieder zurück auf den Highway. Bis dahin ist es fast dunkel und wir schauen kurz im Campendium, wo der nächste Campingplatz liegt. Nach einer stündigen Fahrt kommen wir an und haben Glück. Die Reception ist eingentlich bereits geschlossen, aber der Ranger hat wohl gespürt, dass wir kommen, und ist gleich vor uns auf die Strasse eingebogen und zur Reception gefahren. Und obwohl eigentlich der ganze Campingplatz ausgebucht ist, hat er noch einen Reserveplatz für uns. Es ist ein phänomenaler Stellplatz, recht grosszügig und mit Full Hookup, also mit Strom, Frischwasser und Abwasser. Nach einem Toast Hawaii gönnen wir uns verdient wieder einmal eine ausgiebige heisse Dusche.