Widmers unterwegs

Samstag, 19. Oktober 2024

Um die Fisher Towers

Wow, was für eine ruhige und erholsame Nacht. Simone hat gefühlt seit Wochen nicht so gut geschlafen! Mag auch damit zusammenhängen, dass wir gestern um halb zehn im Bett waren… Jedenfalls beginnt der Tag super! Unser Wasser reicht bis nach dem Frühstück und die Heizung hat auch nicht abgestellt heute Nacht, wir sind also noch nicht ganz am Ende des Gastanks angelangt. Wir essen nur ein kurzes Frühstück, Orangensaft und, ein bisschen peinlich, ein paar gummige Schoggibrötli aus dem Plastiksack (unsere Notration für Tage wie heute, so gibts nicht viel abzuwaschen). Kurz nach neun fahren wir los, denn wir müssen ja zuschauen, dass wir heute Abend etwas früher fertig sind und noch eine Bleibe für die Nacht finden!

Wir fahren über die Dirt Road zurück auf die Hauptstrasse, queren diese, und nehmen die nächste Dirt Road für ca. 3 km zum Parkplatz vor den Fisher Towers. Das müssen wir so betonen, weil wir ja bei der Wohnmobil-Übernahme versprochen haben, Dirt Roads möglichst auszuweichen. Aber unser Vermieter hat gesagt, Zufahrten zu Campingplätzen auf unbefestigten Strassen seien in Ordnung und zum Glück hat es beim Fishertower-Parking auch noch einen kleinen Campingplatz. Ist also alles im erlaubten Graubereich. Aber es macht auch nicht sonderlich Spass über solche Strassen zu hottern. Unser ganzes Geschirr klirrt, die Büchsen in den Schränken fallen um, die aufgehängten Pullis und Abtrocknungstüechli landen am Boden und wir haben ständig ein bisschen das Gefühl, gleich seitlich wegzukippen. Aber wir sind knapp schneller also zu Fuss und abgesehen davon hatte es vorne an der Strasse gar keinen Parkplatz.

Oben auf dem Parkplatz ziehen wir wieder einmal unsere Wanderschuhe an und laufen los auf den Trail quer durch die eindrückliche Felsformation. Was für uns ganz neu ist: hier in der Gegend sind die Böden ockerrot, der Staub an den Schuhen entsprechend auch.

Suchbild: Wer findet die Wanderer?

Wir wandern ganz gemütlich und sind längstens nicht alleine unterwegs, aber es ist auch kein Karawanengefühl. Wir sind mega zufrieden, wieder einmal zu Fuss unterwegs zu sein! Unterwegs müssen wir eine kurze Leiter hinabsteigen und wir fragen uns, wie die vielen Hunde, die hier mit dabei sind, wohl über diese Leiter gekommen sind. Am Ende des Trails machen wir eine Znünipause (um halb 12 :) ) und lassen uns fotografieren. Leider scheint die Sonne den ganzen Morgen nicht richtig, sonst wären die Gesteinsformationen sicher noch schöner anzusehen. Aber uns gefällts auch so.

Die Jacken haben wir nach dem Loslaufen gleich wieder ausgezogen

Wir machen uns auf den Rückweg und haben im letzten Drittel eine grosse Gruppe dicht auf den Fersen. Simones Ehrgeiz lässt mal wieder nicht zu, dass diese uns noch vor dem Parkplatz überholen, also wird das letzte Stück sehr sportlich und wir kommen verschwitzt, aber Simone triumphierend, wieder beim Camper an. Inzwischen ist unser Frischwasser ganz ausgegangen und wir fühlen uns wie Zelt-Camper, als wir uns gegenseitig Wasser aus der Flasche über die eingeseiften Hände giessen, um den roten Staub wieder loszuwerden.

Wir machen uns wieder auf den Weg nach Moab und fahren die Strasse zurück, die wir gestern in der Nacht auf der verzweifelten Suche nach einem Schlafplatz abgefahren sind. In einigen Kurven gurgelt es wieder hinter uns, der Grauwassertank ist ziemlich voll! Bei Tag ist die Strecke mega schön, sie führt dem Colorado River entlang, dessen Wasser wahnsinnig schmutzig aussieht und auf dessen Fluten haufenweise Gummiboote zu sehen sind. Als wir zurück in Moab sind, parkieren wir auf einem Parkplatz, denn hier haben wir wieder Handy-Empfang, und recherchieren, wo wir am Besten übernachten und wie der Tag noch weiter verlaufen soll. Wir entscheiden uns für einen teuren Stellplatz auf einem Luxus-Campingplatz mit Full-Hookup. Und wenn wir schon so viel bezahlen, wollen wir den Platz auch noch etwas ausnutzen und nicht erst im Dunkeln ankommen! Wir fahren also für einmal schon nachmittags um zwei auf den Campingplatz und docken an. Mit dem Campingplatz-Strom backen wir eine Fertigpizza zu Salat als etwas verspätetes Mittagessen. Ganz anders als Pizza bei uns, aber wir finden sie auch gut. Danach ist die Luft draussen und wir fläzen uns aufs Bett, scrollen durchs Internet, denn wir haben hier wieder einmal WLAN, googeln ein paar Dinge, die wir uns die letzten Tage gefragt haben und dösen etwas vor uns hin.

Irgendwann haben wir wieder genug Energie gesammelt, um noch eine Runde über den Campingplatz zu drehen. Unterwegs an den anderen Stellplätzen vorbei wundern wir uns wieder einmal, mit welchen Vehikeln Amerikaner hier campen. Wir staunen auch nicht schlecht, wie viele verschiedene Fahrzeuge einige Leute mit dabei haben! Die grossen Kaliber haben häufig in einem Fach in der Seitenwand gegen aussen einen Fernseher, damit man sich mit dem Campingstuhl davor setzen kann und draussen an der frischen Luft fernsehen kann. Auch sehr typisch: alle Amerikaner haben ihren eigenen Gasgrill dabei. Sobald es dunkel wird, setzt man sich mit einer Bierdose im Campingstuhl davor, denn in der Kälte in die Flammen zu starren ist hier der Inbegriff von Campen.

Nachdem wir den anderen Leuten in die Gärten gekuckt haben, inspizieren wir den Campingplatz-eigenen Frosch- und Koi-Teich (in dem es keinerlei Lebenszeichen von irgendwelchen Tieren gibt) und testen die Wassertemperatur im Whirlpool; mega angenehm! Ausserdem ist er gerade menschenleer. Wir beeilen uns mit Umziehen und setzen uns dann für eine Weile ins sprudelnde Warm, dabei geniessen wir den Sonnenuntergang; herrlich! So dürfte es ab jetzt regelmässig weitergehen!

Zurück im Camper geniessen wir nach dem Bad im Chlorwasser eine warme Dusche, der Wasserdruck ist mit eingestecktem Wasserschlauch auch fast so gut wie daheim und das Wasser prasselt richtig!

In der nächtlichen Dunkelheit getraut sich Marco schliesslich noch mit unseren Plastiksäcken voller Schmutzwäsche in den Waschraum. Er gibt ein lustiges Bild ab und wir fühlen uns total unschweizerisch, denn richtige Schweizer hätten für solche Fälle eine Wäschezeine dabei! Es geht aber auch prima mit grossen Plastiksäcken.

Den Abend verbringen wir mit Gängen zu den Waschmaschinen, einem kleinen Imbiss und zur Krönung des heutigen Tages gibt es noch einen Triple Chocolate Muffin. Wir planen, wo wir die nächsten Tage ungefähr vorbei möchten und fallen dann zufrieden nach einem aktiven Morgen und entspannten Nachmittag in unsere frisch gewaschenen Betten.