Las Vegas
Wir erwachen, als ein paar Regentropfen auf das Camperdach prasseln. Bis wir geduscht und angezogen sind, scheint aber bereits wieder die Sonne. Es gibt ein feines Waffelfrühstück, dann fahren wir los zum Hoover Dam. Hier überqueren wir die Grenze in den Bundesstaat Nevada. Wir rechnen fest damit, die Uhr wieder eine Stunde umstellen zu müssen und sind verwirrt, als sie hier die gleiche Uhrzeit haben. Wir hirnen und überlegen, wo unser Denkfehler passiert ist, bis wir schliesslich herausfinden, dass sie hier in Amerika erst eine Woche später auf Winterzeit wechseln als in Europa (was macht das für einen Sinn? Wollten die das nicht weltweit einheitlich gestalten?)!
Der Damm ist einerseits Trinkwasserreservoir für die ganze (sehr trockene) Region hier und andererseits produziert er den nötigen Strom für Las Vegas und Umgebung. Als wir ankommen, müssen wir als erstes durch eine Sicherheitskontrolle. Wir werden auf Herz und Nieren geprüft, fast wie wenn wir ins weisse Haus eingeladen wären; unser Camper wird mit einem Spürhund gefilzt, wir müssen alle Aussenstauräume aufschliessen (davon haben wir viele, und der Schlüssel klemmt in allen Schlössern, es ist also ein mühsames Unterfangen) und wir versichern, dass wir weder Waffen noch Sprengstoff mit auf den Damm nehmen. Als die fünf Zöllner zufrieden sind, fahren wir in die Anlage hinein. Als erstes gehts auf das Trottoir der grossen Autobahnbrücke, von der man den Damm am besten sieht.
Auch hier ist der Stausee bei weitem nicht voll. Wir fragen uns, wie lange es wohl noch geht, bis der See komplett austrocknet und der Damm einfach so in der Wüste herumsteht?
Wir buchen die 30-minütige Führung. In einer riesigen Gruppe werden wir in zwei Grossaufzügen an den Grund des Damms spediert, dort zeigt man uns die Wasserdruckleitungen und die monströsen Turbinen. Simone kann der Führung zeitweise nicht ganz folgen, denn unser Guide schleudert mit ganz vielen Zahlen um sich, und zu allem Übel sind die Einheiten immer feet, inches und pounds… Auf jeden Fall fliesst VIEL Wasser durch die Turbinen und es wird VIEL Strom produziert. Spannend, diese Örtlichkeiten zu besichtigen, aber natürlich war die Führung nicht zu vergleichen mit derjenigen in der Grande Dixence :)
Als wir genug gesehen und gehört haben, kriechen wir in der brutheissen Mittagshitze wieder in unseren Camper. Schon eindrücklich, die Baukunst hier!
Wir fahren weiter dem Stausee entlang, dem Lake Mead. Am Seeufer essen wir einen Zmittag im Camper, bis es uns definitiv zu heiss wird. Es windet stark und wenn wir die Fenster öffnen, ist der Camper nachher innen mit Sand paniert, lüften geht also auch nicht. Wir beschliessen, zur Abkühlung kurz einen Schwumm im See zu nehmen (ist ja logistisch super einfach, wir haben immer alles dabei). Gesagt, getan, aber es ist nicht ganz so gluschtig zum Baden wie in einem unserer Schweizer Seen. Am Ufer ist das Wasser sehr seicht und entweder geht man über spitzige Steine oder durch eine matschige Schlacke hinein. Wir schaffens es aber dann, ganz unterzutauchen und geniessen die Abkühlung.
Bis wir über die spitzigen Steine wieder am Ufer angekommen sind, sind wir vom warmen Wind schon wieder trocken. Erfrischt und gut gelaunt fahren wir weiter nach Las Vegas. Marco hat wieder einmal super recherchiert. Wir finden auf Anhieb einen Camper-tauglichen Parkplatz in einem kostenlosen Park&Ride und nehmen dann den Bus bis zum Strip. Dieser hat etwas zu kämpfen mit dem dichten Verkehr, aber wir sitzen im oberen Stock zuvorderst an der Scheibe und geniessen die gemütliche Fahrt. Marco war ja auch schon hier und kommentiert die Casinos links und rechts, Simone erschlägt die schiere Grösse und die Reizüberflutung all dieser Hotels fast. Wir fahren einmal an allem vorbei und steigen dann aus, um zurück zu laufen. Inzwischen ist es etwa 16 Uhr und die Hitze wird erträglich, es stürmt aber immer noch.
Wir besichtigen die Sphere, eine grossen Halbkugel mit einer Eventlocation im Innern. Die Kugel ist dich mit LEDs besetzt und es laufen ganze Bilder und Geschichten über die Kugel.
Dann wenden wir uns den Hotels und Casinos am Strip zu. Die Strasse ist so angelegt, dass man als Fussgänger immer wieder durch die Gebäude an Läden und Casinos vorbeikommt, dann wieder über Fussgängerbrücken geht und so das nächste Gebäude erreicht. Als wir in den ersten Komplex eintauchen, trifft Simone fast der Schlag. Angewidert stellt sie fest, dass in den Casinos Rauchen erlaubt ist. Entsprechend stinkt es ganz furchtbar. Und dann hat es unglaublich viele Spielautomaten, und es sind viele davon besetzt. Eine ältere, spindeldürre Frau fällt auf, die am ganzen Körper zitternd vor einem einarmigen Banditen sitzt, wie gebannt auf den Bildschirm starrt und ihr Guthaben von 500 Dollar am verspielen ist. Dann kommen wir an den Roulette- und Black-Jack-Tischen vorbei, wo mitten am Nachmittag Menschen einfach hinzulaufen, 200 Dollar auf den Tisch werfen, dafür Jetons bekommen und diese innert 10 Minuten verlieren. Wir wissen nicht, wie deren weiterer Verlauf des Abends aussieht, aber es ist ziemlich schockierend, wie hier Geld verprasst wird. Es muss doch jedem klar sein, dass diese Automaten so programmiert sind, dass man immer eher Geld verliert als gewinnt… Simone ist irgendwie traurig und schockiert, dass eine ganze Stadt auf solchen Illusionen aufgebaut wird.
Wir essen in einem Restaurant mit Blick auf das zweithöchste Riesenrad der Welt und eine Zipline etwas zum Znacht (natürlich Burger).
Danach wollen wir trotzdem noch unser Glück probieren. Im Flamingo stinkt es nicht ganz so schlimm nach Rauch und im Garten hat es echte Flamingos. Mit etwas komischem Gefühl füttern wir den einarmigen Banditen mit 1 Dollar-Scheinen und ziehen am Hebel. Jeder verspielt 15 Dollar, aber es ist zwischenzeitlich sogar für uns schwierig den Überblick zu behalten, wie viel Geld wir schon reingelassen haben. Natürlich hat Marco mehr Glück, gewinnt ein paar Dollar und kann so etwas länger spielen, aber bald ist das Ganze vorbei und wir sind nicht glücklicher als vorher. Fünf Pennys bleiben übrig, diese kann uns der Automat aber nicht auszahlen, also drücken wir grosszügigerweise den Knopf, um sie für einen wohltätigen Zweck zu spenden.
Das Prinzip der Casinos und der riesigen Hotellobbys wiederholt sich, in jedem Komplex herrscht einfach ein anderes Dekor-Thema. Es gibt Venedig, Paris, New York, Excalibur und wie sie alle heissen. Natürlich sehen wir uns den Springbrunnen vor dem Bellaggio an (diesen mussten wir an der Hochzeit pantomimisch darstellen und da hat er uns noch nichts gesagt).
Wetten auf den Augang der Präsidentschaftswahlen
Wir schauen noch im M&M-Shop vorbei uns bestaunen die Wand mit den verschiedenfarbigen M&Ms und den bunten Laden. Wir beschliessen aber, unsere Lieblingssorten weiter im Walmart zu kaufen, kommt viel günstiger :)
Als welches M&M möchtest du dich heute kleiden?
Als wir genug gesehen haben, steigen wir wieder in unseren Bus und fahren zurück ins Transit Terminal. Wir treffen den Camper wohlbehalten an und beschliessen, noch eine Stunde aus dem Getümmel hinauszufahren um irgendwo in Ruhe zu parken. Es wird also ein später Abend und die Fahrt anstrengend, denn der starke Wind hat immer noch nicht nachgelassen. Aber um halb zwölf kommen wir ohne Zwischenfall in Pahrump an. Hier parkieren wir auf dem Parkplatz eines Casions, auf dem es laut Campendium kostenlos erlaubt ist, und werden vom Wind in einen tiefen Schlaf gewiegt.