Widmers unterwegs

Sonntag, 3. November 2024

Wie am Mittelmeer

Ganz unverhofft kommen wir heute zu einem Pausentag. Wir sind früh am Morgen wach, die Zeitumstellung hat uns eine zusätzliche Stunde Schlaf geschenkt (wir sind nun wieder neun Stunden verschoben auf die Uhrzeit in der Schweiz). Trotzdem entscheiden wir, dass wir uns am Sonntag eigentlich nicht in das Stadtgetümmel stürzen wollen, sondern den Tag lieber etwas gemütlich angehen, um frische Energie zu tanken. So geniessen wir das wunderschöne Morgenerwachen mit Blick auf die Golden Gate Bridge.

Als wir gerade angezogen sind, trommeln draussen Schuhe auf dem Asphalt und hinter unserem Camper joggt der erste Marathonläufer mit dem Front-Velo durch. Unweit von unserem Parkplatz steht die sechs Meilen-Marke und wir merken, dass wir wohl direkt auf der Halbmarathonstrecke übernachtet haben. Wir chrügeln aus dem Camper und bringen uns gerade noch in Sicherheit, bevor die nächsten Sportskanonen energiegeladen daherkommen. Einer löst sich heraus, macht gemütlich ein paar Fotos vom Viewpoint und bittet uns, ihn vor der Golden Gate Bridge zu fotografieren. Er meint, er hätte gar nicht vorgehabt mitzulaufen, das sei ganz spontan entstanden. Verrückt, er ist bei den Ersten mit dabei! Bald wird das Feld dichter und die Läufer kommen scharenweise und nicht mehr ganz so leichtfüssig; an ein Rausfahren aus dem Parkplatz ist erst mal nicht zu denken.

Gemütlich frühstücken wir im Camper. Es hat etwas Meditatives, den vielen joggenden Menschen zuzusehen und dabei genüsslich süsses Müesli zu schnabulieren! Wir haben dank Internet herausgefunden, dass es ca. 5000 Läufer sind und dass sie bis kurz vor neun hier durch sein müssten. Bis dann bleibt die Strasse gesperrt. Wir stehen hier aber keineswegs alleine auf der Rennbahn, es hat noch andere Camper und Autos, die auf dem Parkplatz festsitzen. Wir haben also viel Zeit, die Weiterfahrt für die nächsten zehn Tage zu planen und zu überschlagen, wohin wir es noch schaffen werden.

Auch an unserem Pausentag möchten wir natürlich etwas erleben; nur, was unternimmt man da, in einer etwas Camper-unfreundlichen Stadt mit engen Strassen, ungeduldigen Autofahrern und kleinen Parkplätzen? Zuerst kümmern wir uns einmal ums Tanken. Wir fahren auf dem Highway ein Stück stadtauswärts und suchen in Sausalito eine Tankstelle. Beim Reinfahren in das Küstenstädtchen fühlen wir uns ganz so, als wären wir mit unserem amerikanischen Camper in einem italienischen Städchen mit engen Strassen gelandet; es ist eher ungemütlich. Überall hängen Stromleitungen viel zu tief über die Strasse, in den Kurven ist es schampar eng und die Strassenverhältnisse sind sehr schlecht, es schüttelt uns durch so manches Schlagloch. Bei der engen Tankstelle schaffen wir es irgendwie hinein. Weil das Dach aber zu niedrig ist, um darunter durchzufahren, müssen wir rückwärts durch die anstehenden Autos wieder raus; ziemlich stressig. Wir wissen, dass es hier am Fährhafen einen Besucherparkplatz mit Camperplätzen gibt und beschliessen, den Camper für heute dort zu parkieren um nicht noch eine Beule reinzufahren.

Sausalito ist ein Tagesausflug für Gäste aus San Francisco und daher am einem so schönen Sonntag sehr stark bevölkert. Wir flanieren etwas der Strasse entlang und setzen uns für ein Mittagessen in ein französisches Bistro mit Blick über die Bucht auf San Francisco in der Ferne. Mmh, hier kann man Omletten und Croque-Monsieurs bestellen! Wir lassen es uns gutgehen und geniessen das süsse Nichtstun.

Später gönnen wir uns ein Glacé, stöbern durch die Touri-Shops und Luxusläden und spazieren etwas auf dem Pier, bis die Sonne wieder untergeht (um kurz vor halb fünf…). Zurück beim Camper macht Simone ein Nachmittagsschläfchen und Marco findet heraus, dass wir auf diesem Parkplatz für heute Nacht auch stehen bleiben können, denn morgen wollen wir sowieso die Fähre nach San Francisco nehmen. Wir verlängern also unser Parkticket und richten es uns gemütlich ein.