Widmers unterwegs

Samstag, 9. November 2024

Heiliger Diego

Als wir aufwachen, wird uns bewusst, dass wir nun am Ziel unserer Reise angekommen sind. Wir sind am südlichsten Zipfel von Amerika’s Westküste und haben San Diego erreicht! Wir sind stolz, dass das ohne eine genaue Feinplanung zeitlich so gut aufgegangen ist und wir alles, was angedacht war, und sogar noch viel mehr gesehen haben in den letzten paar Wochen!

Nach dem Frühstück packen wir die Sandwiches von gestern wieder ein und machen uns auf den Weg. Wir lassen den Camper stehen und sind wieder einmal mit dem ÖV unterwegs. Zuerst spazieren wir eine halbe Stunde in der Mission Bay dem Ufer entlang, vorbei an den Vorbereitungen für Kindergeburtstage im Park, joggenden Sportlern und Hündelern, die eigentlich laut den Schildern mit ihren Hunden tagsüber gar nicht hier sein dürften. Irgendwie scheint in Amerika einfach niemand ausser wir Schweizer all diese Warn-, Verbots- und Strassenschilder zu lesen!

Wir nehmen einen Blue Line Trolley (San Diegos Tram-Variante) und fahren in die Innenstadt.

Am Hafen ist richtig etwas los! Es boarden ganze Heerscharen gerade auf ein Kreuzfahrtschiff, die Marine heisst die Bevölkerung auf einem Schiff willkommen (zur Feier des Veteran’s Day vom kommenden Montag) und in einem Park findet eine Gewerkschaftsversammlung statt, an der viele sicher nur wegen dem kostenlosen Essen teilnehmen. Wir schlendern mit all den anderen Touristen durch das Getümmel und geniessen den warmen Tag.

Auf einem schönen Bänkli picknicken wir unsere Sandwiches (die immer noch ganz passabel schmecken) und betrachten dabei die über sieben Meter hohe Statue “Embracing Peace”. Marco ist ganz entrüstet, dass er diese nicht wiedererkennt; bis wir auf dem Schild lesen, dass sie im Februar 2013 hier aufgestellt wurde. Marco war im Januar 2013 das letzte Mal hier, somit ist die Welt wieder in Ordnung und San Diego einfach in der Zwischenzeit um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden.

Die Statue steht gleich neben dem antiken Flugzeugträger “USS Midway”. Wir erfahren, dass der Hafen von San Diego für die amerikanische Marine ein wichtiger Stützpunkt war und dieses schwimmende Museum deswegen gerade hier platziert wurde. Als Simone rausfindet, dass es eine Audioguide-Tour gibt, ist das Nachmittagsprogramm eine beschlossene Sache und Marco willigt auch ein, das Ding noch einmal zu besuchen. Die nächsten drei Stunden klettern wir also in den Tiefen des Schiffs umher und besuchen Kombüsen, den Schiffscoiffeur, die Krankenstation mit Apotheke und den Maschinenraum, bevor wir schliesslich auf dem Deck noch die Start- und Landebahn und all die ausgestellten Flugzeuge und Helikopter unter die Lupe nehmen. Man könnte sich hier tagelang beschäftigen. Inzwischen tönt lautstark eine Anti-Kriegs-Demo vom Hafenbecken her zu uns nach oben, eine Gruppe Demonstranten setzt sich für den Frieden in Palästina ein. Auf dem Flugzeugträger verdrehen die Kriegsveteranen genervt die Augen und wir stecken moralisch ein bisschen in einer Zwickmühle, weil wir hier stehen und uns friedlich Kriegsmaschinen anschauen, während anderswo auf der Welt genau solche Gerätschaften aktiv gegen Menschen eingesetzt werden.

Bevor wir uns in tiefe Diskussionen über dieses Thema verstricken, lassen wir das Schiff hinter uns und spazieren im Hafenbecken weiter. Wir schauen uns den Sonnenuntergang mit einem Apéro ausgestattet auf einer Wiese sitzend an.

Danach wird es rasch dunkel und kälter; wir verlassen den Hafen und biegen in Richtung Downtown ab.

Wir machen uns auf den Weg zu Hodad’s. In diesem Restaurant war Marco während seinem Sprachaufenthalt im 2013 mehrmals und er hat es in guter Erinnerung. Hier gönnen wir uns deswegen die voraussichtlich letzten Hamburger dieser Reise. Obwohl wir Mini bestellen, sind wir pappsatt nach unserer Portion.

Zum Glück erwartet uns noch ein gutes Stück Fussmarsch, so verdaut es sich am besten. Wir spazieren im Dunkeln bis zum Trolley, fahren ein paar Stationen bis an die Mission Bay und legen die restliche halbe Stunde zurück auf den Campingplatz wieder zu Fuss zurück. Wir finden den Camper wohlbehalten auf seinem Platz und schalten als Erstes die Heizung an, denn inzwischen ist es frisch geworden. Der Flugzeugträger hat uns in Stimmung gebracht, und so schauen wir noch den Film “Top Gun” (1986), bevor wir ins Bett gehen.