La Jolla
Nachdem wir gestern nach unserem Filmabend erst spät eingeschlafen sind, schlafen wir heute wiedermal ein bisschen aus; es ist schliesslich Sonntag, den soll man ruhig angehen. Wir geniessen ein gemütliches Frühstück und nachdem wir geduscht, den Camper fahrbereit gemacht und recherchiert haben, wo wir heute Abend schlafen könnten, gehts los.
Wir fahren auf unserer Zurück-In-Die-Vergangenheit-Reise als ersten Zwischenstop Marcos Schule und Zuhause aus dem Jahr 2000 an. Glücklicherweise ist am Sonntag in der Schule nicht viel los, wir schleichen uns über den Staff-Only-Zugang auf den Pausenhof und begutachten das Gebäude, in dem er in den Kindergarden ging; einiges wurde umgebaut und renoviert, aber es ist noch wiedererkennbar. Auch die Appartments auf der gegenüberliegenden Strassenseite stehen noch. Die Balkone haben einen neuen Anstrich bekommen, sonst ist aber noch alles gleich wie vor bald 25 Jahren.
Wir fahren weiter zur Küste, wo sich ein Strand an den anderen reiht, und das mitten in der Stadt. Im Vergnügungspark von Mission Beach rasselt immer noch die gleiche antike Holz-Achterbahn. Auch das fliegende U-Boot ist noch da und an diesem Sonntagmittag tummeln sich hier ganz viele Kinder, die mit leuchtenden Augen die Attraktionen geniessen, wie Marco vor 25 Jahren.
Wir spazieren der Strandpromenade entlang und freuen uns einfach, mitten im November in kurzen Hosen unterwegs zu sein.
Zurück beim Camper köcheln wir ein Mittagessen, bevor es weitergeht nach La Jolla. Es ist viel los, wir entdecken zwei Hochzeiten direkt vor der Meereskulisse (wieso auch immer diese an einem Sonntagabend stattfinden) und diverse Fotografen blitzen hier ihre Models an.
Etwas nördlich finden wir am Strand eine Horde Seehunde. Die Robben liegen faul im Sand und strecken alle paar Minuten kurz den Kopf in die Höhe, nur um sich dann umzudrehen und weiter zu schlafen. Drollig, die Tierchen.
Nach dem Sonnenuntergang machen wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Dabei kommen wir an einem Café vorbei, das Getränke scheinbar in echten Porzellantassen statt in Pappbechern serviert. Wir machen also Simone zu liebe einen Zwischenstopp und gönnen ihr einen richtig feinen Cappucchino. Marco schaut zu :) Mmh, wie lange ist wohl der letzte richtig gute Kaffee her?
Frisch gestärkt fahren wir in der dunklen Nacht (es ist erst halb sechs) weiter nach Norden und lassen San Diego hinter uns. Unser Ziel ist eine Filiale von Krispy Kreme, und nun kommt Marco eeeendlich zu den lang ersehnten Doughnuts. Der Einkauf hier ist ein Erlebnis; im Laden-Hintergrund sieht man gleich in die Backstube und vor dem Auswählen kriegt man einen warmen, frischen Doughnut direkt vom Förderband gratis zum Probieren! Dann lässt man uns Zeit, um die Auslage zu studieren, und wir können ganz in Ruhe aussuchen. Natürlich gönnen wir uns gleich eine 12er-Schachtel, die leeren wir schon in den nächsten paar Tagen (meint Marco). Marco ist der festen Überzeugung, dass dies die wahren, echten und besten Doughnuts sind. Schade, haben wir die erste Filiale erst drei Tage vor Abreise gefunden (oder, vielleicht ist es auch besser so…)
Weil man in Amerika ja auch am Sonntagabend einkaufen gehen kann, steuern wir anschliessend abends um sieben wieder einmal in einen Walmart. Wir brauchen nämlich einen zusätzlichen Handgepäckskoffer, um alle Dinge, die wir über die letzten zwei Monate angesammelt haben, mit nach Hause nehmen zu können. Zum Glück haben wir auf dem Hinflug ein paar alte Kleider eingepackt, die wir getrost am Ferienende entsorgen können, sonst würde ein zusätzliches Handgepäck nicht einmal reichen. Ob wir vom Gewicht her unter der Limite sind, wird sich dann am Mittwoch am Flughafen zeigen. Aber die Abmachung war, dass wir erst ganz am Schluss überlegen, wie wir alles nach Hause bringen, damit nicht der fehlende Platz das Argument ist, wieso wir etwas nicht kaufen, das wir dann unser Leben lang bereuen (so schnell kommen wir ja nicht wieder nach Amerika). Für diese Sichtweise hat sich Simone lange einsetzen müssen, bis Marco sich irgendwann damit abgefunden hat; trotzdem hat ihm Simones Einkaufslaune den einen oder anderen Seuzer abverlangt oder ein besorgtes Stirnrunzeln, als sie auch noch eine warme Kuscheldecke für den Camper haben wollte (die wir übrigens fast jeden Abend gebraucht haben, wir sind ja schliesslich nicht im Sommer unterwegs!). Glücklicherweise haben wir uns irgendwo in der Mitte gefunden, so dass nach unseren Einschätzungen nach nun besagtes Köfferchen reichen sollte; es wird sich zeigen, ob wir damit richtig liegen. Jedenfalls kaufen wir nebst dem Koffer noch einen Ersatzbesen für den zu Bruch gegangenen, die besten Cracker für zu Hause und sonst noch ein paar Dinge, damit wir ja nicht am Ende noch zu viel Platz haben auf der Heimreise :)
Als wir alles verstaut haben, fahren wir nochmals ca. zwanzig Minuten auf der Autobahn, an Carlsbad vorbei, bis wir zum Rastplatz kommen, den wir laut Internet nachts problemlos zum Übernachten verwenden können. Die schönen Campingplätze am Meer sind nämlich wegen dem morgigen Feiertag alle ausgebucht, wie wir heute Morgen festgestellt haben. Wir sehen zwar ein Schild zwischen hundert anderen, das das Übernachten ein bisschen verbietet, aber wir befinden, dass das für die andere Hälfte des Parkplatzes gilt. So stellen wir uns mutig zwischen die anderen Camper, Lastwagen und Pick-Ups. Schliesslich liest ja ausser uns eh niemand diese Schilder.
Hier kochen wir zum Znacht einen feinen Tomatensugo mit Penne. Das eignet sich vorzüglich, um all unser Gemüse aufzubrauchen. Wir sind übrigens ganz gut dran und steuern nur auf wenige Resten zu. Natürlich müssen wir anschliessend noch unsere Schachtel Doughnuts öffnen und mit dem Probieren anfangen; Simone hat nach dem ersten mehr als genug Zucker im Blut, Marco gönnt sich einen zweiten… Stellt danach aber ernüchtert fest, dass es mit 18 Jahren also noch einiges besser ging, mehrere am Stück zu essen… :) Danach ist es schon ordentlich spät und wir gehen schlafen, damit wir morgen dann die Agglomeration von Los Angeles mit ihren Staulawinen ausgeschlafen in Angriff nehmen können.